Herero und Nama in Berlin bei Gedenkzeremonie und Mahnwache für Opfer des Genozids 1904-08

Entschuldigung jetzt! Mahnwache für Opfer des Genozids 1904-08  + Gedenkgottesdienst zur Übergabe von Gebeinen an Namibia
Berlin, 29. August 2018, ab 9 Uhr.

Zivilgesellschaftliche Mahnwache für die Opfer des deutschen Völkermords an den Herero und Nama 1904-08 vor dem Französischen Dom am Berliner Gendarmenmarkt, vor und während des Gedenkgottesdienstes zur Übergabe von Gebeinen an Namibia in der Französischen Friedrichstadtkirche.
Die Veranstalter der Mahnwache, das NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht“ begrüßt die längst überfälligen Rückgaben von 27 Schädel und Gebeinen nach Namibia. Sie kritisiert aber, dass diese im Rahmen einer nur halb-öffentlichen, religiösen Zeremonie stattfinden, zu der eine Reihe von regierungsunabhängigen Herero- und Namaführer*innen nicht eingeladen wurden.
Die Teilnehmer*innen der Mahnwache fordern die volle Anerkennung des Völkermords, eine offizielle Entschuldigung im Bundestag sowie die eigenständige Beteiligung der Herero und Nama an den Verhandlungen über Wiedergutmachung für die vom Völkermord Betroffenen!
Herero- und Nama-Männer tragen stolz die von den einstigen Kolonialherren adaptierten Uniformen. Herero- und Nama-Frauen kleiden sich in lange Gewänder im Stile der Missionarsfrauen wie vor 100 Jahren.
Im Französischen Dom findet ein evangelischer Gedenkgottesdienst zur Übergabe von Gebeinen an Namibia statt. Dort haben sich Vertreter der deutschen und namibischen Regierung versammelt, um nach dem Gedenkgottesdienst der EKD 27 Schädel und andere Knochen zurückzugeben und entgegen zu nehmen. Die Überreste stammen von ehemaligen Herero und Nama. Zu „wissenschaftlichen Zwecken“, also für rassistische Forschungen wurden die Leichenteile vor allem während des Kolonialkriegs von 1904 bis 1908 nach Deutschland gebracht.
Der Gottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin soll eine Versöhnungsgeste sein. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihn gemeinsam mit namibischen Partner organisiert. Die Nachkommen und Vertreter der Opfer sind aber mit dem Gottesdienst und der anschließenden Übergabe-Zeremonie nicht zufrieden.
Fast alle Vertreter*innen der Nama und Herero, auch einige, die an den Regierungsverhandlungen teilnehmen, sind sich in einer Sache einig: „Deutschland muss den Genozid an unseren Völkern anerkennen, sich dafür entschuldigen und dieser Entschuldigung müssen Entschädigungen folgen“.
Bis heute hat sich die deutsche Regierung nicht bei den Herero und Nama für das Leid angemessen entschuldigt, das ihnen während der Kolonialzeit in Deutsch-Südwestafrika angetan wurde. Der Kolonialkrieg der deutschen Schutztruppe von 1904 bis 1908 in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ wurde als Vernichtungskrieg geführt. Diese Kriegführung gegen die Herero und Nama, die sich gegen die Fremdherrschaft des wilhelminischen Kaiserreiches erhoben hatten, endete in einem Völkermord. 50 bis 80 Prozent der damaligen Herero und Nama, bis zu 90.000 Menschen, fielen dem Kolonialkrieg zum Opfer.
Seit drei Jahren verhandeln nun Deutschland und Namibia um die Rückgabe aller sterblichen Überreste. Und um Ausgleichszahlungen. Die Verhandlungen beider Länder finden aber ohne Beteiligung der Herero- und Nama-Vertreter statt. Dabei sind gerade sie von den Landenteignungen vor mehr als 100 Jahren betroffen gewesen. Viele Herero und Nama leben seitdem in Armut. Die Nachfahren der Genozid-Opfer werden somit alleine gelassen. Deshalb haben Herero- und Nama-Vertreter wie das „Ovaherero Genocide Committee“ 2017 unter Leitung des Herero-Paramount Chiefs Vekuii Rukoro, eine Klage gegen die Bundesregierung vor einem New Yorker Gericht eingereicht.

 

 

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