Einweihung der Gedenktafel 100 Jahre ‚Dibobe-Petition‘, 22. Juli 2019

Einweihung der Gedenktafel 100 Jahre ‚Dibobe-Petition‘. 22. Juli 2019, Wilhelmstraße 62, Berlin-Mitte.

Gedenktafel: 100 Jahre Dibobe-Petition. 1919-2019.

Am Gebäude des ehemaligen Reichkolonialamtes in der Wilhemstraße 62 wurde eine historische Informationstafel an die Übergabe der so genannten Dibobe-Petition im Reichskolonialministerium im Sommer 1919 feierlich enthüllt. Initiiert und umgesetzt wurde die Informationstafel von Paulette Reed-Anderson gemeinsam mit Berlin Postkolonial und der Gestalterin Helga Lieser, finanziert wurde sie auf Empfehlung des Historischen Beirats durch das Land Berlin.

Aus der Pressemitteilung:

Die „Dibobe-Petition“ ist eines der ersten und bedeutendsten Dokumente des kollektiven Widerstands der afrikanischen Diaspora in Deutschland gegen Kolonialismus und Rassismus. Die aus dem heutigen Kamerun und Tansania stammenden Unterzeichner der Eingabe an die Nationalversammlung in Weimar wandten sich gemeinsam gegen den systematischen Bruch der Völker- und Menschenrechte im kaiserlichen Kolonialreich. Sie forderten “Gleichberechtigung und Selbstständigkeit” für Menschen in und aus den deutschen Kolonien.

Text auf der Gedenktafel:

Wilhelmstraße 62.

Das 1768 bebaute Grundstück in der Wilhelmstraße 62 wurde nach mehrmaligem Umbau und zahlreichen Besitzerwechseln 1905 vom Staat erworben und zur Nutzung für die Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes bereitgestellt. 1907 wandelte man diese zum eigenständigen Reichskolonialamt um. Die „Schaltzentrale“ des Deutschen Kolonialreichs umfasste neben drei zivilen Abteilungen auch das für die koloniale Kriegsführung zuständige „Kommando der Schutztruppe“, das sich im rückseitigen Gebäude in der Mauerstraße 45 befand. 1919 – 1920 hatte hier das Reichskolonialministerium seinen Sitz. Vor dem Hintergrund der Versailler Friedensverhandlungen übergab hier der aus Douala (Kamerun) stammende Berliner Martin Quane a Dibobe am 19. Juni 1919 eine Petition an die in Weimar tagende Nationalversammlung. Sie war von weiteren 17 in Deutschland lebenden Männern aus West- und Ostafrika unterzeichnet worden. Die sozialdemokratisch geführte Reichsregierung veröffentlichte deren „Protest gegen die Vergewaltigung“ der von Deutschland beanspruchten Kolonien durch die alliierten Siegemächte und verwies auf ihr Bekenntnis zu der in Weimar errichteten „sozialen Republik“.

Verheimlicht wurde, dass sich die Gruppe nur „unter Vorbehalt“ zu Deutschland bekannte. So hatten die Männer am 27. Juni 1919 ein längeres Schreiben nachgereicht. Es formuliert 32 massive Beschwerden und konkrete Bedingungen, um fortan mit dem „neuen deutschen Reich in gutem Einvernehmen zu leben“. Die Kernforderungen der Unterzeichner waren „Gleichberechtigung und Selbstständigkeit“. Der beteiligte Mdachi bin Sharifu aus Tanga (heute Tansania) vertrat diese Positionen im Herbst 1919 auch als politischer Redner in der deutschen Öffentlichkeit.

Die von der Reichsregierung unterdrückte ,Dibobe‘-Petition ist eines der bedeutendsten Dokumente des kollektiven Widerstands der afrikanischen Diaspora in Deutschland gegen den systematischen Bruch der Völker- und Menschenrechte im kaiserlichen Kolonialreich.

[Es folgt derselbe Text in Englisch]

Außerdem sind auf der Tafel abgebildet:

Martin Quane a Dibobe (als Zugführer bei der BVG 1902),

Mdachi bin Sharifu, Kiswaheli-Lektor am Seminar für Orientalische Sprachen der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin.

Sowie ein Faksimile mit allen 19 Unterschriften der Petitions-Unterzeichner.

© B.Sauer-Diete/bsdphoto