Kaliningrad (ex-Königsberg), 2012

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Kaliningrad, Königsberg & Kants Rassismus-Theorie:

Die Fußball WM in Russland findet auch für mehrere Spiele in Kaliningrad statt. Aus diesem Anlass zeige ich hier meine  Fotos aus Kaliningrad von 2012 und 2007 und erzähle etwas über Kants Rassismus-Theorien und die Tatsache, dass er Königsberg praktisch nie verlassen hat.

Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, war ja die Heimatstadt des Philosophen Immanuel Kant (geb. 22. April 1724 in Königsberg; gest. 12. Februar 1804 ebenda), der uns zwar die Philosophie der Aufklärung brachte, und dessen Werk Kritik der reinen Vernunft einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie kennzeichnen, der aber gleichzeitig auch eine rassistische Theorie entwickelte, die die hierarchische Einteilung der Menschheit nach ihrer Hautfarbe in „Rassen“ kennzeichnet:

Kant war es, der die Idee des Rassismus im deutschsprachigen Raum erst verbreitete. In seiner Vorlesung zur „Physischen Geographie“, zählte Kant, der in Königsberg als Professor für Logik und Metaphysik lehrte, zwar die Menschen als zur gleichen Gattung und Familie gehörig, doch hätten sich mit der Zeit vier „Rassen“ herausgebildet:

  1. Die „Die Rasse der Weißen, 2. [die] Negerrasse, 3. [die] hunnische (mongolische oder kalmückische) Rasse, 4. [und] die hinduische (oder hindostanische) Rasse“.

Er schrieb Menschen der verschiedenen „Rassen“ auch angeborene Charaktereigenschaften zu: „Neger“ seien von Natur aus „träge“ und ihre „Faulheit“ könne nur „durch Zwang gemäßigt“ werden. Er bezeichnet sie als „Wilde“, die dem Europäer kognitiv klar unterlegen seien, jedoch ihre Vorteile bei körperlichen Arbeiten hätten. Daraus schlussfolgerte er, dass Schwarzen nur eine „Cultur der Knechte“ zustünde und sie kein Anrecht auf eine eigenen Lebensstil, geschweige denn auf ein freies Leben hätten. Auch an den Asiaten und den Arabern lässt er kein gutes Haar und behauptet diese „verbreiten einen üblen Geruch.“ Mit kruden Theorien versucht Kant körperliche Eigenschaften einzuordnen: Chinesinnen, meint er, „[zerren] immer an ihren Augenliedern, um sie klein zu machen.“

Nur bei den „Weißen“, bei seiner „Rasse“ ist Kant voll des Lobes: „Der Einwohner des gemäßigten Erdstriches, vornehmlich des mittleren Teiles (Europa, Anm. d. Verf.) desselben ist schöner an Körper, arbeitsamer, scherzhafter, gemäßigter in seinen Leidenschaften, verständiger als irgendeine andere Gattung der Menschen in der Welt. Daher haben diese Völker zu allen Zeiten die anderen belehrt und durch Waffen bezwungen.“

Folgt man Kant, lässt sich eine klare Rangordnung der Rassen bilden, die natürlich der „Weiße“ anführt:

„Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringes Talent, Die Neger sind weit tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“

 (Zitate aus: Nacktegedanken.de von Joschka Büchs)

Diese Überlegungen Kants und die anderer Zeitgenossen bildeten die Anfänge des Rassismus und die Wahnvorstellung eine Menschengruppe sei wertvoller als andere.

Dass das Konzept von „Rassen“ weder biologisch noch kulturell einen Sinn macht, hat sich erst im 20. Jahrhundert herausgestellt, wurde aber meist nur in intellektuellen Milieus bemerkt. Doch das Konzept hinter der Idee, dass es hierarchisch gegliederte Rassen gibt, also Der Rassismus, hat sich tief in unser kollektives, westlich-europäisches Unterbewusstsein eingeprägt, was wir gerade solchen „verehrten“ Denkern und Gelehrten wie Immanuel Kant  zu verdanken haben!

Kant blieb immer nur in Königsberg und Umgebung:

Ein wichtiger Faktor für die Entstehung seiner rassistischen Theorien ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass Immanuel Kant sein ganzes Leben lang in keine fremden Länder bereist hat. Er kannte nicht einmal Europa! Der Philosoph hat sogar seine Geburtsstadt Königsberg in Ostpreußen so gut wie nie verlassen. Lediglich für sechs Jahre zwischen 1748 bis 1754 wanderte Kant als Hauslehrer durch die ostpreußische Provinz. Als Dreißigjähriger kehrte er nach Königsberg zurück und setzte fortan so gut wie keinen Fuß mehr vor die Stadt. Es waren ausgerechnet die Jahre, in denen er mit seinen Schriften den ganzen Kontinent eroberte, indem er das philosophische Denken über Gott und die Welt radikal veränderte und verbreitete Theorien souverän zerpflückte. Und 1781 entzündete er sein Geistesfeuerwerk „Kritik der reinen Vernunft“….

Kant hat also sein ganzes „Wissen“ über außereuropäische Kulturen, das er als Ausgangspunkt für seine Rassenlehre und der angeblichen Unterlegenheit der Farbigen benutzt, lediglich aus eurozentrischen Reiseberichten anderer Gelehrter zu oder vor seiner Zeit im 18. Jahrhundert.

Das ist für mich eine verheerende Kombination: Ein deutscher Gelehrter sitzt in mit sehr begrenztem persönlichen Erfahrungshorizont sitzt in einer deutschen Stadt in Ostpreußen und denkt sich in seinem Stübchen oder auf seinen auf eine Straße begrenzten, täglich gleichen (!) Spaziergängen, eine katastrophale rassistische Theorie aus, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat!

Kants Rassentheorien dienten sicher auch zur Legitimation der Sklaverei, der Ausbeutung der Kolonien sowie letztendlich auch des Deutschen Völkermordes an den Herrero und Nama am Anfang des 20. Jahrhunderts im heutigen Namibia (damals die Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika)…

Kant wurde lange Zeit nie dafür kritisiert und auch Ende des 20. Jahrhunderts nur zögerlich.  Das zeigt, dass Rassismus immer auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt!

Im 21. Jahrhundert werden diese gefährlichen Rassen-Theorien von Rechtspopulisten in ganz Europa wieder salonfähig gemacht und für ihre undemokratischen und inhumanen politischen Zwecke benutzt.  

Ergo: „Rassen“ gibt es nur für Rassisten!

Und Rassismus entsteht immer auch durch einen mangelnden Erfahrungshorizont sowie fehlendem Austausch und Dialog mit den „Fremden“!

Und Immanuel Kant war definitiv einer unserer UR-RASSISTEN!

Bernd Sauer-Diete, Juni 2018

Fotos aus der der russischen Exklave Kaliningrad (ehemals Königsberg) von 2012 + 2007:

Kurze Info zur Geschichte Kaliningrads:

Kaliningrad ist die Hauptstadt der Oblast Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen an der Ostsee. 1945 war die bis dahin deutsche Stadt Königsberg von russischen Truppen erobert worden. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den nachfolgenden grossflächigen Abrissen wurde die Stadt „modern“ wiederaufgebaut. Im Ergebnis des Zweiten Weltkrieges wurde Königsberg wie der gesamte Nordteil Ostpreussens (ausser dem Memelland) unter dem Namen Kaliningrad Teil der RSFSR, einer der Unionsrepubliken der Sowjetunion. Seit 1991 ist die Oblast Kaliningrad eine Exklave Russlands im Baltikum.

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